Seit 2017 lässt Fischbachau an gefährlichen Streckenabschnitten die Geschwindigkeit von uns überwachen.
Die regelmäßigen Kontrollen zahlen sich aus. Heute ist die Anzahl der Abschnitte, in denen zu schnell gefahren wird, deutlich gesunken. Neun von zehn Messpunkten liegen im grünen Bereich. Das bedeutet nicht, dass es hier keine Geschwindigkeitsübertretungen gäbe; diese bewegen sich jedoch im unteren Bereich.
„Wir lauern nicht hinter Hecken“
Seit April 2023 führt Benjamin Bursic die Geschäfte beim Zweckverband. Hier spricht er über die neue Aufklärungs kampagne, warum Sanktionen wichtig sind und welchen Beruf er sich noch vorstellen könnte.
Sie haben 2023 eine Aufklärungskampagne für Kinder gestartet. Sie besuchen Schulklassen und demonstrieren, wie Geschwindigkeitsmessungen funktionieren. Was versprechen Sie sich davon?
Kinder sind die Autofahrer von morgen. Wir wollen sie dafür sensibilisieren, dass Geschwindigkeitskontrollen ihrer Sicherheit dienen. Unsere Aktionstage richten sich an Viertklässler, die gerade ihren Radl-Führerschein gemacht haben.
Wie kommen Ihre Aktionen bei den Kindern an?
Wenn unsere Messtechniker mit ihnen am Straßenrand stehen und es blitzt, hören sie Sätze wie: „Des is aber scho’ schnell, wie der vorbeifährt“. Die Kinder erleben den Unterschied zwischen gefühlter und tatsächlicher Geschwindigkeit direkt vor der Schule. Wenn sie dann daheim darüber reden, haben wir etwas erreicht.
Prävention gehört zu den schönen Aufgaben.
Was bereitet Ihnen dagegen Sorge?
Die wachsenden Übergriffe. Wir hatten Fälle von Beleidigungen, von Bespucken und von Faustschlägen ins Gesicht. Unsere mobilen Blitzanlagen wurden angezündet oder es wurde versucht, sie zu sprengen. So was hat es früher nicht gegeben.
Wann hat das angefangen?
Gefühlt seit Corona. Das war eine Zeit, in der es viele ungewohnte und sich immer wieder ändernde Regeln gab. Für viele Menschen waren das einschneidende Erlebnisse. Seitdem haben auch die Übergriffe zugenommen. Es kommt mir vor wie eine Trotzreaktion.
Welche Gegenmaßnahmen treffen Sie?
Wir bieten seit Jahren Deeskalationsseminare für unsere Mitarbeitenden an. Zusätzlich helfen wir bei der Aufarbeitung von verbalen oder tätlichen Übergriffen. Jeder, der es wünscht, bekommt einen Coach zur Seite gestellt.
Und rechtlich?
Jeder Übergriff wird zur Anzeige gebracht. In jedem einzelnen Fall erhalten unsere Beschäftigten juristischen Beistand. Das handhaben wir so seit Jahren. Wobei tätliche Übergriffe zum Glück die Ausnahme sind.
Was kann man darüber hinaus tun?
Wir wollen uns der Kampagne #MehrAchtung des Deutschen Verkehrssicherheitsrats und des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr anschließen. Unter dem Hashtag #MehrAchtung soll das Verkehrsklima verbessert und die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht werden. Dieser Aufgabe kommen wir seit 17Jahren erfolgreich nach. Zusätzlich unterstützt die Kampagne die Ziele der „Vision Zero“ – also keine Verkehrstoten mehr.
Letztendlich geht es um positives Verhalten im Straßenverkehr. Dazu gehört auch die Achtung vor unseren Beschäftigten. Für ihre Arbeit verdienen sie unsere Wertschätzung. Auch im Team legen wir großen Wert auf einen respektvollen Umgang. Mein Dank gilt hier allen Kolleginnen und Kollegen. Denn, wie mein Vorgänger immer sagte, ein Geschäftsführer macht noch keinen guten Zweckverband.
Ein gutes Betriebsklima wünscht sich jeder.
Aber reicht das angesichts des Fachkräftemangels?
Wir vertrauen bei der Personalsuche stark auf das „Kollegen werben Kollegen“-Modell. Eine Mitarbeiterin hat beispielsweise zu Hause erzählt, dass wir Kollegen suchen. Jetzt arbeitet ihr Mann bei uns als Verkehrsüberwacher im ruhenden Verkehr.
Wie begeistern Sie Job-Aspiranten?
Bei uns dürfen alle einen Tag reinschnuppern. Sie laufen dann zum Beispiel mit einer erfahrenen Parkraumüberwacherin mit oder begleiten einen Messtechniker. Die Leute sehen, dass wir nicht hinter Hecken lauern, dass bei uns alles sauber und transparent abläuft. Danach sagen fast alle: Ja, den Job kann ich mir vorstellen.
Trotz aller Transparenz ärgern sich viele, wenn sie geblitzt werden.
Keiner muss in einen Blitzer reinfahren. Das liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen. Wir setzen nur die Regeln durch. Ein Rechtsstaat genießt nur dann das volle Vertrauen der Bürger, wenn Fehlverhalten auch sanktioniert wird. Wenn sich alle an die Regeln halten, dann wird das Leben für die Gesellschaft als Ganzes leichter. Das gilt natürlich nicht nur für die Teilnahme im Straßenverkehr.
Erhalten Sie auch positives Feedback?
Oft sogar. Ich denke zum Beispiel an Bad Heilbrunn, wo unser Blitzeranhänger regelmäßig steht. Viele Anlieger haben sich bei uns bedankt, dass nicht mehr so gerast wird und der Lärm abgenommen hat.
Wäre es da nicht sinnvoll, innerorts Tempo 30 zum Standard zu machen statt zur Ausnahme?
Das ist der Wunsch vieler Bürgermeister. Sie würden gerne selbst entscheiden, wo sie Tempo 30 anordnen dürfen. Auch Innenminister Joachim Herrmann sprach sich für größere Handlungsspielräume der Kommunen aus. Die dafür nötige Änderung am Straßenverkehrsrecht ist jedoch im November 2023 im Bundesrat gescheitert.
Letzte Frage: Was wäre Ihr zweitliebster Beruf, nach Geschäftsführer beim Zweckverband?
Vermutlich Lehrbeauftragter. Ich komme gerade von der Bayerischen Verwaltungsschule, wo ich kommunales Haushaltsrecht und VBWL unterrichte. Der Kontakt mit den Auszubildenden macht mir Freude. Die Wissensvermittlung hält wach für aktuelle Fragen. Und man leistet einen Dienst am Bürger.
Dieser Beitrag „Der Fischbachau-Effekt“ wurde in unserem Jahresbericht 2023 auf Seite 16 veröffentlich.
Redaktion und Text
Tina Löhr
Gestaltung
d-signbureau
Illustration
Matthias Schilling
Bildnachweise
Andreas Huber
Zweckverband Kommunale Dienste Oberland





